Dass nicht alle Details über aktuell anstehende Projekte preisgegeben werden, dass Informationen über schwebende Verfahren aus taktischen Gründen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, ist nachvollziehbar. Dennoch sind die Einwohner einer Stadt am Werdegang solcher Themen interessiert. Nehmen wir nur das Projekt Badeanstalt. Eberswalde TV hatte eine Anfrage zum aktuellen Stand der Dinge an die Pressestelle des Rathauses geschickt. Wir wollten wissen, was mit dem Gelände geplant ist, ob man sich mit dem Noch-Pächter verständigt hat und in welchem Zeitrahmen das Projekt Badeanstalt realisiert werden soll. Außerdem wollten wir einen Besichtigungstermin absprechen.
Zitat E-Mail: „Herr... ist der ehemalige Pächter. Ihm wurde noch im alten jahr ordentlich gekündigt. Doch bitten wir sie um folgendes: Wie sie wissen, wird die Beschlussvorlage zur Ausschreibung erst in den entsprechenden Gremien beraten und ggf. von den Stadtverordneten dann auch in der Stvv am 26.2.2009 beschlossen. ... Es wäre sehr schön, wenn Sie bis dahin die Besichtigung verschieben könnten.
Die E-Mail hatte die Redaktion am Donnerstag, dem 5. Februar, erhalten. Wir sollten also den Beitrag für das Fernsehen verschieben. Die Stadtverwaltung wollte sich noch nicht äußern. Wir stellten den Beitrag also zurück. Kurioser Weise erschien am Samstag, dem 7. Februar, ein ausgiebiger Zeitungsartikel zu genau diesem Thema in der Tageszeitung. Ein Interview exklusiv von Bürgermeister Friedhelm Boginski. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Oder ist der Informationsfluss zwischen Bürgermeister und Pressestelle gestört? Ähnlich erging es uns bei anderen Themen wie zum Beispiel der Recherche zum Verkauf des Brauereigeländes. Die Anfrage beim zuständigen Dezernenten ergab, man dürfe darüber noch nicht reden. Ein paar Tage später stand es wieder auf der Titelseite und wieder exklusiv vom Bürgermeister. Auch der Dezernent zeigte sich erstaunt über die Veröffentlichung. Im Falle der Badeanstalt und der Brauerei hat sich unsere Redaktion sowohl mit dem Pächter als auch mit mit dem Brauereibesitzer telefonisch in Verbindung gesetzt. Ein erstaunlicher Informationsaustausch! Der Pächter der Badeanstalt verklagt gerade die Stadtverwaltung. Und weil nach seinen Angaben seitens der Stadt und der Zeitung Unwahrheiten berichtet wurden, solle er sich nicht mehr öffentlich äußern. So sein Rechtsanwalt. Der Brauereibesitzer erzählte uns, dass er für das Brauereigrundstück ein Nutzungskonzept eingereicht hatte, es dann aber nicht umsetzen durfte. Die Stadtverwaltung hingegen hatte ihm Untätigkeit vorgeworfen.
Das Rathaus ist eine Behörde. Sie ist dazu verpflichtet, den Medien Auskunft zu erteilen. In einer Behörde gibt es klare Hierarchien. Der Informationsaustausch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern sollte gewährleistet sein. So weiß die eine Hand, was die andere macht. Aber genau da steckt der Fehlerteufel im Eberswalder-Rathaus-Behördensystem. Und das die lokalen Medien ungleich informiert werden, nun, wo wären die Politiker ohne ihre Medien.
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